Hallo Lena, es ist schön Dich bei uns im Interview zu haben. Wir wollen uns mit Dir über Deinen animierten Episodenfilm "Rue des Légendes" unterhalten, aber zuerst erzähle uns bitte ein wenig zu Deiner Person. Wie bist Du zur Animation gekommen?
Ich zeichne sehr gerne und hatte mich deswegen für Animation beworben, ansonsten war es auch ein bisschen Zufall, denn die Mappenabgabe an der HFF war für mich zeitlich am günstigsten gelegen.
"Rue des Légendes" ist ein wunderschön gestalteter Film. Die skurrilen Pointen bilden dazu einen amüsanten Kontrast. Wie bist Du zu den Geschichten gekommen?
Mir sind die Geschichten bei einem Spaziergang durch die Pariser Strassen gekommen, als ich tatsächlich durch genau diese besagte "Rue des Légendes" hindurchflanierte, habe ich all diese merkwürdigen Begebenheiten beobachtet und danach war es ein Leichtes die Geschichten aufzuschreiben.
Hast Du die Dramaturgie alleine entwickelt oder noch mit jemandem zusammengearbeitet?
Die Dramaturgie habe ich größtenteils alleine entwickelt, wobei ich meine Geschichten, Entwürfe und das Storyboard immer wieder verschiedenen Leuten gezeigt und mit deren Anregungen weiterentwickelt habe.
Wie beschreibst Du die Technik in der Du "Rue des Légendes" animiert hast?
"Rue des Légendes" wurde direkt unter der Kamera animiert. Die Hintergründe sind mit Acryl und Ölkreide gemalt und mit Fotos beklebt. Die Figuren habe ich zuerst auf Papier animiert, die Animation auf frostet cells übertragen und mit Acryl und Ölkreide coloriert.
Hast Du die frosted cells direkt auf den Hintergrund gelegt und abfotografiert oder gab es noch eine Nachbearbeitung in einem Compositing Programm, um die Figuren frei zu stellen? Wie hast Du die Folie, um die Figuren herum, transparent bekommen?
Ich habe die frosted cells mit Wasser durchsichtig gemacht, dadurch entstanden so schöne Wasserränder, was die Figuren mit dem Hintergrund zu einer Einheit verschmelzen lies. Ich habe ein paar Szenen auch am Computer per Hand freigestellt, aber das erwies sich als viel zu aufwendig und optisch uninteressant.
Wie kam es zu der Entscheidung den Film in dieser Technik zu animieren.
Bei meinem ersten Film "Apropos", den ich zusammen mit Ilona Fritzsche realisiert habe, war unser Anliegen gewesen, viele verschiedenen Animationstechnicken auszuprobieren und einen Collagefilm zu schaffen. Wir haben Realfilm, Puppentrick, Fototrick, Pixilation, Zeichentrick, 2D-Collage, Knete und Sachtrick miteinander kombiniert. Das war sehr aufwendig und umständlich, da in jeder Einstellung mind. 2 verschiedenen Techniken miteinander combiniert wurden, wodurch die Nachbearbeitung sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Deswegen wollte ich bei "Rue des Légendes" mit einer direkteren Technik arbeiten und kam so auf die Idee unter der Kamera zu arbeiten.
Wie war die Arbeit am Ton und der Musik, wer hat das gemacht?
Die Musik hat Benjamin Dickmann gemacht, sie besteht allerdings nur aus einer Titelmelodie die für jede Folge mit anderen Instrumenten eingespielt ist. Benjamin hatte die glorreiche Idee eine einfache eingängige Melodie im 5/4 Takt zu schreiben, dadurch wirkt sie sehr skuril und passt hervorragend zu der heimlich unheimlichen Atmosphäre des Films.
|  | Die Geschichten werden von einem Sprecher aus dem OFF erzählt. Durch ihn erhält der Film seinen Leitfaden und er unterstützt eindeutig die bizzare Atmosphäre des Films. Wie hast Du ihn gefunden und wie war es mit ihm zu arbeiten bzw. wie war es für Dich, Ton-Regie zu führen?
Ich habe den Sprecher durch Zufall von einer Dame eines Synchronateliers empfohlen bekommen. Seine Stimme hat mir auf Anhieb gut gefallen, da der französische Akzent wunderbar zu „Rue des Légendes“ passt und er auch die französische Version einsprechen konnte. Die ersten Geschichten der „Rue des Légendes“ sind mir ja in Frankreich eingefallen und war deswegen auch auf Französisch geschrieben. Patrice Luc Doumeyrou spricht die fanzösische Sendung mit der Maus, er hat also viel Erfahrung und das hat entschieden dazu beigetragen, daß die Aufnahmen so gut geworden sind.
Noch ein paar Fragen für Freunde von Zahlen und technischen Informationen : Welche Programme und Hardware hast Du benutzt? Für welches Format wurde "Rue des Légendes" produziert.
Ich habe die Bilder mit After Effects zusammengefügt und das Timming gemacht. Aufgenommen wurde der Film mit meiner Digitalkamera mit manuellem Fokus und manueller Blende. Abschliessend wurde "Rue des Légendes" auf 35mm ausbelichtet, was den Charakter des Films unglaublich gut zur Geltung bringt. Die ganzen Reliefartigen Furchen die durch die Collagen und die dicken Acrylfarben entstanden sind kommen nur auf der 35mm Kopie zu Geltung, was eine wahnsinnig schöne Tiefe und Farbigkeit entstehen lässt.
"Rue des Légendes" lief bereits auf einigen Festivals. Wie oder wo besteht die Möglichkeit den Film nochmal zu sehen?
Der Film kann jederzeit im Internet unter www.animation-lenameyer.de angesehen werden. Am 22. März läuft auf dem Lanshuter Kurzfilmfestival die 35mm Kopie.
Du hast "Rue des Légendes" in einer eher klassischen Technik gestaltet. Wie ist Deine Sicht auf traditionelle Arbeitmittel im Vergleich zu modernen, wie dem Computer? Macht es Dir mehr Spaß mit "echten" Materialien zu arbeiten?
Nein, ich finde eine ausgewogenen Mischung am Besten. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen nur noch mit klassischen Mitteln zu arbeiten oder nur noch am Rechner. Ich finde das Eine ergänzt sich mit dem Anderen ganz gut.
Für "Rue des Légendes" war es eine bewußte Entscheidung, mit klassischen Mitteln zu arbeiten, um direkt mit den Händen zu arbeiten und das Endergebnis nicht so stark unter Kontrolle zu haben, und somit auch eine aufwendige und Zeitintensive Computerarbeit zu umgehen.
Bist Du neben der Animation, auch in anderen künstlerischen Bereichen tätig?
Es greift alles sehr stark ineinander über, da man Animation mit allen möglichen Mitteln machen kann. Momentan arbeite ich an Illustrationen für ein Kinderbuch und letztes Jahr habe ich viele Tonfigürchen gemacht, die in Berlin ausgestellt und verkauft werden. Aber die Beeinflußung durch die Animation ist in allen meinen Arbeiten zu sehen.
Wird es noch weitere Folgen aus der "Rue des Légendes" geben. Hast Du ein neues Projekt in arbeit und kannst Du uns schon etwas dazu verraten?
Momentan nicht. Ich habe zwar noch weitere Folgen vorliegen, teilweise auch als Storyboard, aber momentan versuche ich mein Berufsleben aufzubauen.
Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.
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